Die
Kriegerdenkmäler in Schnorbach
Quelle :
Beschlußbuch und Schulchronik Schnorbach, Hunsrücker Heimatblätter,
Bistumsarchiv Trier
Verlässt
man Schnorbach in Richtung Wahlbach/Rheinböllen, fällt am vorletzten Wohnhaus
auf der rechten Seite eine hohe Bruchsteinmauer auf. Sie bildet die straßenseitige
Einfriedung des 1709 erbauten Pfarrhauses. Auf der Nordseite, neben dem
Hofeingangstor zum Pfarrhaus befinden sich in die Bruchsteinmauer eingelassen,
das Kriegerdenkmal für die Helden der Preußischen Kriege, die in den sechziger
und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die politische Landkarte in
Mitteleuropa zugunsten Preußens veränderten. Dies waren zu einen der Deutsch-Dänische
Krieg 1864, der Deutsche Krieg 1866 und der Frankreich-Krieg 1870/1871.
Das Denkmal für die Soldaten der Kriege 1864 - 1871
Foto: Gemeindearchiv 1965
Das
Denkmal hat eine Größe von ca. 1,40 m x 0,60 m. Es besteht aus zwei weißen,
nach oben im Spitzbogen zulaufende, in Ornament eingefasste Gedenktafeln. In den
Spitzbögen sind symbolisch eingearbeitet Haubenpike, Machete, Gewehr, Trompete,
Säbel und Regimentsfahne. Darunter befinden sich 14 Namen von Kriegsveteranen.
Unterhalb der Gedenktafeln ist eine trapezförmige, weiße Tafel angeordnet mit
der Inschrift „Keiner der vierzehn fiel, Gottes Hand beschütze Sie“.
Oberhalb der Tafeln ist bis zur Mauerabdeckung eine weiße
halbkreisförmige Gedenktafel angebracht mit einem Eisernen Kreuz und der
Inschrift „Schnorbachs Veteranen 1864, 66, 70-71“. Beidseitig der
Gedenktafeln sind Geschossrohre in die Mauer eingelassen. Auf der Brüstung der
Mauer stand auf einem Gussfuß ein stehender flügelschwingender Adler, der
links und rechts von Artilleriegeschosshülsen und gusseisernen Blumenschalen
flankiert wurde. Die Teile auf der Brüstungsmauer sind heute leider nicht mehr
vorhanden.
Kriegerdenkmale
für diese Kriege finden sich auf dem Hunsrück sonst nur noch in Simmern (Auf
der Eich), in Kastellaun (Südstrasse) als Säulendenkmal und als Eisenkreuz in
Buch. Bis in die fünfziger Jahre stand auch in Kirchberg ein Denkmal von
1870/1871 auf dem Marktplatz. Auffallend an diesen Denkmälern ist, dass der
heimgekehrten Soldaten gedacht wird. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass
diese Denkmäler aus der Stimmung der Sieger in Erinnerung an den
„glorreichen“ und siegreich verlaufenden Feldzug, insbesondere gegen
Frankreich entstanden sind und die Verluste im Verhältnis zu den folgenden
Kriegen relativ gering waren. Unabhängig von der persönlichen Betroffenheit
der Angehörigen, wird der Tod der Soldaten mit dem Sieg über Frankreich und
der deutschen Einigung gerechtfertigt. Wegen der geringen Anzahl der Denkmäler
aus dieser Zeit kann davon ausgegangen werden, dass in vielen Gemeinden anstelle
solcher Denkmäler Eichenpflanzungen vorgenommen wurden. An den Gedenkplätzen
wurden von Kriegervereinen traditionsgemäß Jahrestage gefeiert. Somit hatten
dieser Krieg, die Kriegsteilnahme und der Tod in einer Schlacht zumindest in der
ländlichen Region des Hunsrücks einen festen Ehrenplatz.
Ob
die Gedenkstätte wie vielerorts von einem Kriegs- und Veteranenverein gegründet
wurde und ob jährliche Feiern dort stattgefunden haben, lässt sich leider
nicht mehr in Erfahrung bringen.
Nach
dem 1. Weltkrieg ergab sich eine völlig neue Situation. Zu der persönlichen
Trauer gesellten sich der Schock der Niederlage, die Abdankung des Kaisers und
die Empörung über den Versailler Vertrag. Es entstand dadurch der Wunsch, den
Gefallenen des Krieges in besonderer Weise zu gedenken. Für die Gefallenen des
1. Weltkrieges begann sich, auch unter der Forderung des Volksbundes deutscher
Kriegsgräberfürsorge, als besonderer Gedenktag der Volkstrauertag zu
entwickeln und in den zwanziger Jahren wurden viele neue Gedenkstätten
errichtet.
In
Schnorbach wurde mit der Planung für das Kriegerdenkmal 1931 begonnen. Die
Einweihung erfolgte 1932, also erst 14 Jahre nach Beendigung des Krieges. Die Gründe
hierfür dürften Unstimmigkeiten zwischen der Zivilgemeinde und der
Geistlichkeit gewesen sein. Anstelle eines Kriegerdenkmales wollte die
Zivilgemeinde in der Nähe der Pfarrkirche eine Sebastianus-Kapelle mit
Benutzung als Fronleichnamsaltar errichten lassen. Dieser Bau wurde von dem
Pastor mit dem Hinweis auf die Nähe zur Kirche und das der Segen bei
Fronleichnam im Freien zu erteilen sei, stets abgelehnt. 1931 kam es dann anlässlich
einer Bürgerversammlung zu einer Einigung zugunsten des Kriegerdenkmals. Die Bürger
erklärten sich dabei bereit, zur Unterstützung der Finanzierung den
Holzeinschlag für den Winter unentgeltlich durchzuführen und das ersparte Geld
für den Bau des Kriegerdenkmales einzusetzen. Noch im selben Jahr wurde ein
Denkmalausschuss gegründet und mit der Planung begonnen. Man entschied sich
schließlich dafür, das Kriegerdenkmal nach den Plänen des Bildhauers Pabst
aus Koblenz in Form eines Friedhofskreuzes in Basalt auszuführen. Das Denkmal
ist in seiner ursprünglichen Form bis heute erhalten geblieben. Es besteht aus
einem mittig angeordneten ca. 2,00 m hohen und 0,95 m breiten Kreuz mit Corpus,
das auf einem ca. 1,50 m breiten und 46 cm hohen Sockel steht. Links und rechts
des Kreuzes sind zwei 0,7m x 1,05m große Gedenkplatten angeordnet. Das Kreuz
und die Gedenkplatten stehen auf einem Rahmensockel. Auf dem Sockel des Kreuzes
befindet sich die lateinische Inschrift „Resurrecturis !“ (Für die, die
auferstehen werden !). Der Rahmensockel hat die Inschrift „Die Gemeinde
Schnorbach ihren Gefallenen 1931 - 1955“.
Bei
der Einweihung 1932 waren unter der Überschrift „1914 – 1918 Sie starben
den Heldentod“ die Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten verteilt auf
beide Gedenktafeln eingraviert. Rund 4 ½ Monate nach dem Beginn des Krieges
fiel am 18.12.1914 der 1. Soldat aus Schnorbach. Den letzten Gefallenen hatte
die Gemeinde rund 3 Wochen vor Kriegsende am 12.09.1918 zu beklagen. Insgesamt
haben in diesem Krieg 36 Männer aus Schnorbach teilgenommen, zehn davon sind in
den Kämpfen gefallen.
Als
Standort wählte man die Nordseite des Kirchvorplatzes am Eingang zum Friedhof.
Um auf dem Vorplatz genügend Freifläche für Gedenkfeiern zu schaffen, wurde
durch Geländetausch und dem Bau einer hohen Stützmauer zu einem abschüssigen
Nachbargrundstück die Fläche vergrößert. Durch die Neugestaltung des
Vorplatzes und durch den Standort am Eingang zum Friedhof wurde das
Kriegerdenkmal ein Bestandteil der Gesamtanlage. Die Einweihung des Denkmals
konnte dann 1932 erfolgen.
Während
der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden diese Gedenkstätten eine ideale
Plattform für den NS-Heldenkult. Kriegerdenkmale, die nicht den glorreichen
Helden darstellten, sondern die Trauer über den Verlust der Söhne
symbolisierten, widersprachen dem Gedanken einer propagierten „stolzen
Trauer“ und wurden teilweise entfernt. Dem Schnorbacher Denkmal blieb wegen
seiner religiösen Gestaltung als Friedhofskreuz dieses Schicksal erspart. Der
Volkstrauertag wurde in den nationalsozialistischen „Heldengedenktag“
umbenannt. Verschiedene Regelungen für Standorte und durchzuführende Feiern
wurden mit der Beendigung des Krieges, der einen Trümmerhaufen hinterlies,
nichtig.
In
den Gemeinden war nach dem Krieg viel Aufbauarbeit zu leisten. Dadurch dauerte
es einige Jahre, bis man wieder an die Ehrung für die gefallenen Soldaten
dachte. Charakteristisch für die unmittelbare Nachkriegszeit ist, dass man zunächst
keine neuen Denkmäler baute. In den meisten Fällen brachte man an vorhandene
Denkmäler neue Tafeln für die Gefallenen von 1939-1945 an oder man ließ in
den Kirchen Namenstafeln aufhängen. Zu Beginn der fünfziger Jahre wurden auch
wieder die ersten Gedenkfeiern zum Volkstrauertag, der nun vom Frühjahr auf den
3.Sonntag im November verlegt wurde, abgehalten.
Das
Kriegerdenkmal für die Gefallenen der beiden
Weltkriege Foto: Gemeindearchiv
In
Schnorbach dauerte es 10 Jahre, bis das vorhandene Kriegerdenkmal umgearbeitet
wurde. Auftragnehmer war der Steinmetzbetrieb Ludwig Stumpf aus Simmern. Dabei
wurden die 10 Gefallenen des 1.Weltkrieges auf dem linken Gedenkstein unter der
Überschrift „1914–1918“ zusammengefasst. Auf dem rechten Gedenkstein
wurden unter der Überschrift „1939-1945“ die Namen der 19 im 2.Weltkrieg
gefallenen Soldaten eingraviert. Betrachtet man sich die Sterbedaten der
Gefallenen, so stellt man fest, dass 10 Soldaten, also mehr als die Hälfte
aller Gefallenen, in den militärisch sinnlosen Kämpfen zwischen 1944 und 1945
gefallen sind. Alleine 6 Soldaten fanden noch 1945 den Tod. Der letzte Eintrag
datiert vom 17.07.1945. Zwei Monate nach Kriegsende wurde ein Schnorbacher
Soldat in der Gefangenschaft in Frankreich erschossen.
Die
Einweihung des umgearbeiteten Kriegerdenkmals fand am 18.September 1955 unter
großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Nach der Nachmittagsandacht
versammelte sich die Gemeinde vor dem Denkmal. Die Schulkinder sangen “ Wer
nur den lieben Gott läßt walten“ und „Es ist ein Schnitter, heißt der
Tod“. Zwei Kinder trugen die Gedichte „Grabschrift“ und „Die Toten“
vor. Zum Abschluss sang der Mädchenchor „Ich hatt’ einen Kameraden“. In
der Ansprache der Ehrengäste wurde die Hoffnung geäußert, daß das Opfer der
Toten nicht vergebens gewesen sein möge.
Bei
der Umgestaltung des Friedhofes 1993 wurde durch die Verbreiterung und Neuanlage
der Friedhofswege die Umsetzung des Kriegerdenkmals an die Nordseite des
Friedhofs erforderlich. Auch dort hat das Denkmal als Abschluss des Hauptweges
wieder einen würdigen Standort erhalten.
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