Die
Nutzung der Windkraft auf dem Hunsrück
Quelle: Hunsrücker Heimatblätter Nr.51
(August 1981), Verfasser ; Armin H.Dorfey
Wer kennt sie nicht, die Windräder, die noch vor
kaum mehr als einem Jahrzehnt auf dem Hunsrück standen, in Beltheim, in
Schwall, Hübingen, Strimmig, Laubach und Schnorbach? Konstruktionen, die
manchen Fremden in Erstaunen versetzen, wenn sie vor ihm auftauchten. - Die
Faszination, die von diesen kirchturmhohem technischen Ungetümen ausging, ist
bei den jeweiligen Dorfbewohnern auch heute noch sehr lebendig, so daß man
immer wieder auf Geschichten stößt, die von wagehalsigen Kletterkünstlern
bereichten, die, nicht immer ohne Schaden zu nehmen, den Boden wieder
erreichten.
Die kinetische Energie strömender Luftmassen
wurde schon früh vom Menschen nutzbar gemacht. Bereits im 7.Jahrhundert n.Chr.
waren Windmühlen in Persien und Kleinasien weit verbreitet. Seit dem
12.Jahrhundert wurden Windmühlen in ganz Europa genutzt und im 13.Jhd. entstand
die Deutsche Blockmühle.
Ein bedeutsamer Mann bei der Erforschung der
Windkraft war der englische Ingenieur John Smeaton, neben James Watt einer der
größten Wissenschaftler in der Erforschung der Energieanwendung. Er
erarbeitete bereits 1759 neue Methoden zur rationelleren Ausnutzung der
Windkräfte. Der Amerikaner D. Halladay konzipierte ab 1876 Windräder, wie sie
auch später auf dem Hunsrück gebaut wurden.
Um die Jahrtausendwende war es in den
Hunsrückgemeinden nötig geworden, neue und bessere Wasserversorgungsanlagen zu
bauen. In niederschlagsarmen Jahren war es wiederholt zu Krankheitserscheinungen
in Folge des schlechten Wassers gekommen.
Man begann Brunnen zu graben, Quellen neu zu
fassen, Leitungen zu verlegen und hochgelegene Wasserbassins zu bauen. Schwierig
war das Anlegen solcher Wasserbecken, wenn der Ort auf einer Höhe lag, die weit
und breit von keiner anderen Höhe überragt wurde. In Kirchberg konnte dieses
Problem durch den Bau des Wasserturmes gelöst werden. In vielen hochgelegenen
Dörfern entschloss man sich, das wasser mittels Pumpen herbeizuschaffen.
Am Beispiel der Wasserversorgung Schnorbach -
Wahlbach wird deutlich, wie wichtig beim Betreiben von Pumpen die Nutzung von
unabhängigen Energiequellen für die Gemeinden war. Kraftstoffe, damals vor
allem Benzin, waren nur schwer zu beschaffen, da die Dörfer abseits größerer
Verkehrsverbindungen lagen. Dadurch wurde der Kraftstoff auch entsprechend
teuer. Elektrische Energie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Deshalb
gaben die beiden Gemeinden bei einer Firma in Leipzig ein Windrad in Auftrag,
das die Energie zum Betreiben der Pumpen liefern sollte.
Als Standort wählte man eine Talmulde
unmittelbar oberhalb des Dorfes Schnorbach. Dieser relativ tief gelegene Punkt
hatte aber den Nachteil, daß die Konstrukteure dem Windrad ein besonders hohes
Gerüst geben mussten.
Im Jahre 1912 wurde
das Wind-Wasser-Rad
Podesten
versehene Gerüst war 28 m hoch, das Windrad hatte einen Durchmesser von 8 m.
Zwei große Steuerflügel, etwa am Radmittelpunkt angebracht, drehten das lose
gelagerte Windrad in die jeweils günstigste Windrichtung. Die Windkraft wurde
vom Rad auf eine Welle übertragen, die in der Mitte des Gerüstes nach unten in
das Pumpenhaus verlief.
Nach
einigen Jahren kam man zu dem Entschluss, die Windkraftanlage mit einem
Benzinmotor zu kuppeln, da zum Betreiben eines solchen Windrades eine mittlere
Windgeschwindigkeit von 4 m/s notwendig war.
Sie wurde durch die Tallage des Rades nicht immer erreicht, deshalb sollte die
Pumpe an windschwachen tagen mit dem Benzinmotor betrieben werden.
Im
Jahre 1921 wurde Schnorbach an das Stromnetz angeschlossen und schon wenige
Jahre
Ende
der sechziger Jahre waren viele tragende teile der Anlage vom Ro
Die
Gemeinde versuchte immer wieder, Zuschüsse zur Renovierung der Anlage zu
bekommen, doch die Anstrengungen blieben ohne Erfolg. Es gab auch Bestrebungen,
das Windrad in eine Feriengebie
So oder auf
ähnliche Weise sind in den letzten Jahrzehnten alle Wind-Wasser-Räder des
Hunsrücks verschwunden. Da nun angesichts der immer knapper werdenden Energie
auch die Windkraft wieder ins Gespräch kommt, stellt sich die Frage, ob man
nicht wenigstens eines dieser inzwischen historisch gewordenen Windräder als
technisches Denkmal für die Nachwelt erhalten sollte.
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