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Ein Beitrag zur Ortsgeschichte von Schnorbach
Quelle : Hunsrücker Heimatblätter Nr.45
(September 1979);
Verfasser : Willi Wagner
Im Jahre 1006 wurde die von dem Edlen Thidrich erbaute Kirche zu Mörschbach
durch den Mainzer Erzbischof Willigis eingeweiht und der Zehntbezirk abgegrenzt.
Vom Rinkenbach zwischen Altweidelbach und Mutterschied bis zum Punkt 466,8
sudöstlich von Mörschbach bildete die alte Steinstraße (Römerstraße) den
Grenzverlauf. Der Pfarrbezirk zwischen dieser Steinstraße und dem Simmerbach
dürfte eine alte Grundherrschaft der Herren von Wahlbach gewesen sein. Das Edelherrengeschlecht
von Wahlbach war verwandt mit den Herren von Braunshorn
und den Herren von Dick bei Grevenbroich, die das Zisterzienserinnenkloster
Kumbd gründeten. Südlich dieser Steinstraße bei Schnorbach waren die Grafen
von Kessel begütert. Mit Graf Bruno erscheint dieses Geschlecht im Jahre 1081,
das eine Grafschaft in den heutigen Niederlanden auf dem linken Ufer der Maas
zwischen Roermond und Venlo besaß. Die Vogtei über die Benediktinerabtei St.
Pantaleon in Köln trugen sie als ein Erblehen. Conrad (ca.1188) und Hermann
(1235-1255), Grafen von Kessel, waren deren Äbte. Seit der Mitte des
12.Jahrhunderts nennen sich die Grafen von Kessel zusätzlich Herren von
Grevenbroich. Die Beziehungen zur Kölner Kirche lassen an eine Verbindung über
Bacharach auf den Hunsrück schließen. Denn Bacharach war bereits seit
Erzbischof Kunibert (626-648) Kölner Besitz. Wir hätten hier eine
Parallelerscheinung zu den über Burg Stahleck in den Kumbder Raum gekommenen
Edelherren von Dick. Als Lehen des Erzbistums Köln besaßen die Grafen von
Kessel auch Güter an der Mosel. Sie waren an die Herren von Braunshorn
weiterverliehen, aber 1184 unter Erzbischof Philipp von Heinsberg wieder an die
Kölner Kirche zurückgekommen. Die Herren von Braunshorn erhielten als
Entschädigung eine Rente aus Kölner Weinbergen bei Bacharach. Von Bacharach
aus könnten die Grafen von Kessel Schnorbach als Reichsbesitz erworben haben,
zumal wir in unmittelbarere Nähe auch das Reichsgut Argenthal antreffen.
Pfalzgraf Rudolf I.(1294-1319), der seiner Gemahlin Mechthilde, Tochter des
Königs Adolf von Nassau, 10 000 Mark als Heiratsgut auf die Burgen Fürstenberg
und Stahlberg bei Steeg, Kaub und einige andere pfälzische Besitzungen
angewiesen hatte, geriet mit dem Grafen von Kessel wegen des Besitzungen am
Mittelrhein und auf dem Hunsrück in Streitigkeiten. Walram, damals noch Domprobst
zu Münster, bevollmächtigte am 29.September 1295 seinen Notar
Theoderich, mit der Beilegung seines Streites mit dem Pfalzgrafen, der durch die
Besitznahme der Kessel'schen Güter zu Steeg, der Dörfer Schnorbach und
Ebschied mit Wäldern und Zubehör entstanden war. Der aufgestellte Vertrag
wurde am 4.Oktober des gleichen Jahres von Walram von Kessel ratifiziert. Dieser
verzichtete gegen einen Betrag von 86 Mark auf seine 4 Weingärten und einen
Baumgarten zu Steeg sowie auf die Dörfer Schnorbach und Ebschied und verspricht
gleichzeitig, nach seinem Austritt aus dem geistlichen Stand keine Ansprüche zu
erheben. Damit war Schnorbach in den Besitz der rheinischen Pfalzgrafenschaft
übergegangen. Walram bestätigte diesen Rechtsvorgang noch einmal am 8. Oktober
1296, nachdem er als Propst zu Münster resigniert hatte.
Urkundlich erscheint der Ort Schnorbach das erstemal im Güterverzeichnis der
Benediktinerinnenabtei Rupertsberg bei Bingen um das Jahr 1200, als der Pastor
David von Schnorbach ihr einige Hufen schenkte. Mit dem Erwerb des Dorfes durch
den Pfalzgrafen war auch das Patronatsrecht an diesen gelangt. Zusammen mit
seinem Bruder Ludwig schenkten sie das Recht 1305 dem Wilhelmitenkloster
Windsbach oder Fürstenthal bei Bacharach. Das dieses Kloster aber zu keiner
besonderen Blüte kam, übte Kurfürst Ruprecht I. 1368 das Patronatsrecht über
Schnorbach wieder selber aus.
Der ursprüngliche Zehntbezirk war erheblich
größer als die spätere Gemarkung von Schnorbach. Im Norden verlief sie
entlang der alten Steinstraße. In der Gemarkung Mutterschied scheint die
Zenhtgrenze den Rinkenbach erreicht zu haben. Hier liegt das im Zehntbericht von
1614 genannte "Herrenfeld" (wohl verlesen aus Hirzenfeld, mhd. hirz =
Hirsch), aus diesem und aus einigen Äckern bezog die Pfarrei 2/3 des Zehnten. Zehntberechtigt
war der Pfarrer auch in einigen Bezirken der Gemarkungen Riesweiler, Argenthal,
Altweidelbach, Wahlbach und Mörschbach. In den Gemarkungen Altweidelbach und
Wahlbach könnten als Zehntbezirke die Distrikte diesseits der alten
Steinstraße in Betracht kommen, während in Mörschbach ein Dreieck
ausgeschnitten wurde, begrenzt an zwei Seiten durch die Steinstraße und den
Paterbach. Zehntanteile besaßen im
14.Jahrhundert in Schnorbach und Wahlbach die Edelherren von Heinzenberg. 1376
bewidmet Johann von Heinzenberg damit seine Frau Irmgart, die Tochter Friedrichs
von Ippelbrunn. Möglicherweise ist jener Anteil, den die Wildgrafen um 1400 an
Johann von Schönenburg verliehen und von dem er an Emmerich und Wilhelm von
Ingelheim kam. Letzterer verkaufte ihn 1446 für 625 Gulden an den Pfarrer von
Mörschbach. Nach der Beschreibung des
Amtes Simmern von 1599 hatte Schnorbach 11 Feuerstätten, zwei davon waren nicht
bewohnt. Der Unterschultheiß hieß Michel Hebel. Die Nonnen von Rupertsberg
erhoben jährlich von etlichen Gütern 20 Malter Hafer (Binger Maß) und 3 Pfund
Hafer. In 2 Fluren war damals Kurpfalz zehntberechtigt, in dem 34 Morgen großen
Flur am Simmerner Weg und in den 7 Morgen großen "Schelmäckern"
(mhd. schelme = Aas, also Schindanger). Dieser Distrikt ist wohl an der Straße
Altweidelbach - Argenthal (Flur 3 Argenthal "Auf der Schinnkaul"),
unmittelbar an der Schnorbacher Grenze zu suchen und nicht in Mutterschieder
Bann, wo der Wasenplatz (Flur 7 "Bei der Schinkaul") 500 m nördlich
des Dorfes liegt. Dieser Zehnte war gegen 11 Malter Korn verliehen. Der übrige
Zehnte wurde vom Pfarrer selbst eingezogen. Seit
1590 galt Mutterschied als eine Filiale von Schnorbach. 1608 wurde eine neue
Pfarrkompetenz aufgestellt. Der Hauptzehnte des Ortes kam an die Schaffnerei des
Klosters Kumbd, die damals die Pfarrer und Lehrer besoldete. Der Pfarrer musste
die Filiale Mutterschied alle Sonn- und Bettage versehen, zum Konvent und am
Karfreitag hatten die Mutterschieder nach Schnorbach zu kommen. Die
dem heiligen Sebastian geweihte Kirche fiel in der Kauber Kirchenteilung (1706)
den Katholiken zu, die dann 3 Jahre später an den älteren Chor ein neues
Langhaus anbauten. Mit in den Sprengel einbezogen wurde Argenthal mit Ellern,
Wahlbach, Altweidelbach, Glashütte und Tiergarten. Als man Schnorbach am
07.September 1767 vom Glaner Landkapital abtrennte und dem Kirner zuwies, gab es
im Ort 19 Haushaltungen, 118 Kommunikanten und 135 Seelen. Die Kirche war 1732
neu erbaut worden. Zu dem von der geistlichen Güteradministration errichteten
Pfarrhaus gehörten Scheune, Stallung und Garten. Als Besoldung erhielt der
Pfarrer 120 Gulden, 15 Malter Korn, 27 Malter Hafer und 1 Fuder Wein, zum
Pfarrwittum gehörten 4 1/2 Morgen Äcker und 3 Morgen Wiesen. Dem Schulmeister
der im eigenen Haus Unterricht halten musste, zahlte die geistliche Administration
10 Gulden Hauszins. Seine Besoldung waren 20 Gulden, 10 Malter Korn, 15 Gulden
Schulgeld, 2 Gulden Stolgebühren, von Vieh- und Hirtenlohn war er befreit. Im
Jahre 1742 wurde eine Tabelle über sämtliche schatzbaren Untertanen des
Oberamtes Simmern angelegt, allgemein bekannt unter der "Villersischen
Schatzungsrenovation". Die Schatzung war eine direkte Steuer, erhoben aus
Haus- und Grundvermögen und dem Einkommen. Bei der Schatzungssumme handelt es
sich um eine Addition von Haus- und Grundwert sowie Kapital.
| Name |
Gulden |
Kreuzer |
| Kath. Pfarrer Johann Georg Ruder |
schatzungsfrei |
| Kath. Lehrer Johann Nikolaus
Altenweg |
73 |
|
| Peter Werner, Schultheiß |
220 |
|
| Peter Helmich |
203 |
|
| Wilhelm Krämer |
100 |
|
| Heinrich Krämer |
64 |
70 |
| Johann Kappaun. Maurer |
65 |
41 |
| Johannes Junker |
139 |
8 |
| Peter Weber |
137 |
35 |
| Christoph Meyers Witwe |
70 |
51 |
| Andreas Liesenfelder |
106 |
46 |
| Michael Brennig, der Jüngere |
158 |
4 |
| Michael Brennig, der Ältere |
152 |
46 |
| Jakob Nau |
101 |
25 |
| Michael Werner |
118 |
13 |
| Thomas Heib |
123 |
36 |
| Nikolaus Ludgers Witwe |
127 |
24 |
| Caspar Breith |
58 |
32 |
| Die Ausmärker1) |
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| Jakob Krämer |
21 |
11 |
| Johannes Krämer |
38 |
37 |
| Johannes Burckei |
13 |
11 |
| Jakob Meyers Witwe |
10 |
27 |
| Christoph Walter |
3 |
46 |
| Nikolaus Schmid |
1 |
53 |
| Johann Stollenwercks Witwe |
1 |
17 |
1) Ausmärker waren nicht in der Mark oder
Gemeinde Wohnende
Die Katasterkarten verzeichnen folgende
Schnorbach Flurnamen
| Flur 1 |
Im langen Berg, Auf der
Geisbitz, Im Gründchen, Auf den Haehnen, Aufm kurzen Haehnen, Auf den
langen Haehnen, In der Hohl, Hinter der Kirch, Im Kolbenaffen, Aufm Klopp,
Aufm Laienkäulchen, Auf der Lehmkaul, Unterm Moerschbacherweg, Oberm
Moerschbacherweg, In den fünfzig Ruthen, In der Schnorbach, In der
obersten Schnorbach, In den Steinäckern, In den Trümpferchen |
| Flur 2 |
Backes Bitz, In der Bein (von
Beunde, mhd. blunde = umzäunter Platz), Aufm Bellerweg, In den
Bleichwiesen, In der Erzkaul, Aufm Geleg, Hinter dem Graben, In der
Hahnwies, Am Nußbaum, In der Ochsenwies, Im Rothen Feld, Im
Stollenbrühl, Am jungen Wald, Auf dem Wäldchen, Hinter dem Witt (von
mhd. wite = Holz, Wald) |
| Flur 3 |
In den krummen Äckern, Auf der
Bahwies, In der Bornwies, In der Brückwies, Auf der Buchwies, Im
Endenpfuhl, Am Faller (das Fallgatter am Dorfzaun), Auf der Hahnwies, Am
Lochbaum, Aufm Scheiden, Auf der Streitwies |
| Flur 4 |
Auf der langen Ähr, Auf'm
Brühl, Hinter Mehrbach, Aufm Sauwasem, Im Seien, Im Sperrenwäldchen, In
Schölersbrühl, Vorm Wald, Aufm schönen Wieschen |
| Flur 5 |
In der Au, Vorderwald |
| Flur 6 |
Bentersseifen (feuchte Stelle in
Acker und Wiese), Im Hauch, Auf der hintersten Heide, Auf Mardell (von
mortel = Schutt), Peterswäldchen, Auf der Zweiweide |
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