Windenergie in Schnorbach
Seit 2014 drehen sich auf Schnorbacher Gemeindeland zwei moderne Windräder. Sie erzeugen ein Vielfaches des Stroms, den unser Dorf verbraucht. Ein Teil der Einnahmen kommt direkt den Bürgerinnen und Bürgern zugute. Und ganz neu ist die Windkraft in Schnorbach nicht: Schon vor über hundert Jahren stand ein Windrad mitten im Ort.
Unsere Windräder auf einen Blick
| Anzahl | 2 Windenergieanlagen (im Windpark Schnorbach/Wahlbach als WEA 4 und WEA 5 bezeichnet) |
| Typ | Senvion 3.2M114 (früher REpower) |
| Leistung | je 3,2 Megawatt, zusammen 6,4 Megawatt |
| Größe | Nabenhöhe 143 m, Rotordurchmesser 114 m, Gesamthöhe 200 m |
| Standort | Gemeindewald im Westen der Gemarkung Richtung Altweidelbach, mindestens 1.000 m von der Wohnbebauung entfernt |
| In Betrieb seit | 2014 |
| Projektierung und Betriebsführung | ABO Wind AG, Wiesbaden |
Zum Windpark Schnorbach/Wahlbach gehören außerdem drei Anlagen auf der Gemarkung Wahlbach.
Wie viel Strom erzeugen die Windräder?
Die beiden Schnorbacher Anlagen erzeugen pro Jahr rund 12,5 bis 13,3 Millionen Kilowattstunden Strom (2016: rund 12,5 Mio. kWh, 2017: rund 13,3 Mio. kWh, 2018: rund 13,1 Mio. kWh). Das ist mehr als das 22-Fache dessen, was ganz Schnorbach im Jahr verbraucht. Der Strom wird über das Umspannwerk Erbach ins Netz eingespeist.
Der Weg zu den Windrädern
Die Windräder sind kein Projekt, das „von oben“ kam. Die Schnorbacherinnen und Schnorbacher haben bei jedem Schritt mitentschieden:
2004: Eine regionale Planung sah eine große Windkraft-Vorrangfläche von rund 125 Hektar vor. In einer Umfrage sprachen sich fast drei Viertel der Bürger dagegen aus, eine Unterschriftenliste aus Schnorbach wurde sogar dem Innenminister in Mainz übergeben. Im April 2004 stimmte der Gemeinderat der Fläche nicht zu.
2011: Stattdessen wurde eine deutlich kleinere Fläche von 14 Hektar im Gemeindewald ausgewiesen, mit mindestens 1.000 m Abstand zum Ort. In einer Bürgerbefragung stimmten rund 70 % für Windkraftanlagen. Der Gemeinderat beauftragte anschließend die Firma ABO Wind.
2012: Schnorbach und Wahlbach schlossen in einer gemeinsamen Ratssitzung den Nutzungsvertrag.
2013: Bei Voruntersuchungen wurde ein Rotmilanhorst entdeckt. Zum Schutz des Greifvogels wurde umgeplant: Statt drei Anlagen wurden in Schnorbach nur zwei gebaut.
2014: Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme. Im Herbst konnten Kinder und Bürger die Baustelle besichtigen.
Was hat Schnorbach davon? – Das „Schnorbacher Modell“
Die Ortsgemeinde verpachtet die Flächen, auf denen die Windräder stehen. Einen Teil dieser Einnahmen gab Schnorbach an seine Bürger weiter: 2015 beschloss der Gemeinderat einstimmig eine eigene Energiesparrichtlinie. Haushalte erhielten eine kostenlose Energieberatung und Zuschüsse, zum Beispiel für sparsame Haushaltsgeräte, Photovoltaik, Batteriespeicher, Dämmung, neue Fenster oder Heizungen.
Bis 2020 wurden so rund 136.000 € Förderung ausgezahlt, die Bürger haben damit rund 738.000 € in ihre Häuser investiert. Die Zahl der Photovoltaikanlagen im Ort stieg von 9 (2014) auf 35 (2020). Auch die Gemeinde selbst ging voran: Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher versorgt die Straßenbeleuchtung, und Schnorbach nutzt ein Elektro-Dorfauto. Die Energiesparrichtlinie ist derzeit nicht in Kraft.
Das „Schnorbacher Modell“ hat Schule gemacht: Viele Gemeinden im Rhein-Hunsrück-Kreis haben die Idee übernommen. Über den Solidarpakt der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen profitieren zudem auch Nachbargemeinden ohne eigene Windräder von den Einnahmen.
Anerkennung über den Hunsrück hinaus
Bundessieger „Klimaaktive Kommune 2017“: Im Januar 2018 wurde Schnorbach in Berlin ausgezeichnet. Das Preisgeld von 25.000 € floss in die Photovoltaikanlage für die Straßenbeleuchtung.
„Energie-Kommune des Monats“ der Agentur für Erneuerbare Energien (Juli 2019)
Besuche: Umweltministerin Ulrike Höfken (2017), Ministerpräsidentin Malu Dreyer (2018) und Wissenschaftler aus Japan (2019) informierten sich vor Ort.
Fernsehen: Der SWR berichtete mehrfach, unter anderem in „Hierzuland“ (2017) und in der Dokumentation „Die Energiewender vom Hunsrück“ (2023).
Windkraft hat in Schnorbach Tradition
Lange vor den modernen Anlagen nutzte Schnorbach schon einmal die Kraft des Windes: 1912 gaben Schnorbach und Wahlbach für ihre gemeinsame Wasserversorgung bei einer Leipziger Firma ein großes Windrad in Auftrag. Fertiggestellt wurde es zwischen 1912 und 1914 – das genaue Jahr ist nicht überliefert. Das Windrad stand mitten im Ort in der Talmulde. Damit es dort genug Wind bekam, ruhte es auf einem 28 Meter hohen Gitterturm; insgesamt war es 32 Meter hoch, das Rad hatte 8 Meter Durchmesser. Es trieb eine Pumpe an, die das Trinkwasser für beide Dörfer in den Hochbehälter beförderte. Bei Flaute half zunächst ein Benzinmotor, nach dem Stromanschluss des Ortes 1921 ein Elektromotor. Viele Jahre war das Windrad von der B 50 aus zu sehen – ein Wahrzeichen Schnorbachs.
Nach 1945 sparte es nur noch an windreichen Tagen Strom. Ende der 1960er Jahre war es baufällig geworden, und die Bemühungen der Gemeinde um Zuschüsse für eine Restaurierung – etwa als Anziehungspunkt für Besucher – blieben ohne Erfolg. Im Dezember 1972 beschloss der Gemeinderat den Abriss, Anfang 1973 verschwand das Windrad. 2019 hat die Gemeinde die zugewachsene Fläche wieder freigelegt.
Quelle: Ortschronik Schnorbach
Wie geht es weiter?
Ein drittes Windrad auf Schnorbacher Gemarkung ist in Planung. Sobald es Neuigkeiten gibt, informieren wir hier und in den Meldungen. Fragen zur Windenergie in Schnorbach beantwortet gerne Ortsbürgermeister Markus Menebröcker.