Ortsgemeinde Schnorbach
 
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Gemeindehaus Schnorbach

Gemeindehaus Schnorbach

Das Schnorbacher Gemeindehaus wurde 1922 errichtet.

Im Erläuterungsbericht zum Bauprogramm vom Dezember 1920, welcher die vorgesehenen Räumlichkeiten für das Gemeindehaus anskizzierten hieß es:

A: Im Erdgeschoss:

  1. Gemeindehaus mit Dörre über dem Backofen und geräumigem gut belichtetem Backraum von ca. 4,00x4,5 m Größe und 3,50 m lichter Höhe.
  2. Ein Spritzenraum von 4,00x3,04 m Größe
  3. ein Raum für eine Viehwaage von gleicher Größe mit Eingang von vorne und seitlichem Ausgange, um ein Wenden des Viehes zu vermeiden.
  4. ein Kelterraum von 3,49x3,04 m Größe
  5. ein Gemeindebaderaum von 3,66x4,00 m, ausreichend für 1 Wannenraum und 2 Brausen
  6. Abort zum Baderaum. Ferner:
  1. Treppe zum Gemeindesaal mit Pissoir.

B. im I. Stockwerk

  1. ein Gemeindesaal von 11,34x10,74 m Größe abzüglich 3,30x2,00 m für das Treppenhaus und 4,75x0,6 m für den einspringenden Raum No 9. Der Saal hat somit eine Größe von 128 qm und dürfte somit für alle gemeindlichen Versammlungen und Veranstaltungen wie auch den Zwecken der Jugendpflege reich­lich genügen zumal unter Hinzuziehung des Raumes 2
  2. eines kleinen Versammlungsraumes von 4,50x3,00 m Größe für Sitzungen des Ge­meinderates, des Jugendpflegeausschus­ses usw. Dieser Raum soll von Raum 1 nur durch Schiebe- oder Flügeltüren abge­trennt sein, um gegebenenfalls als Bühne­raum dienen zu können. Wenn gewünscht, kann er um einige Stufen höher als der Saalboden gelegt werden
  3. je eines Abortes für Männer und Frauen.
    Die Abortanlagen sind bei der beabsichtigten Verwendung des Gemeindesaales nicht zu umgehen.

Die Ausführung des Baues ist im Erdgeschoss massiv in Schwemmsteinen mit In­nen- und Außenputz gedacht mit massiver Erdgeschossdecke. Für die Fundamente ist ausgefugtes Bruchsteinmauerwerk vorgesehen. Der Saalbau ist als Holzfachwerk mit Innen und Außenputz gedacht, die Decke als Balkendecke mit Zwischendecke und Spalierdeckenputz, das Dach als Schiefer­dach. Entsprechend dem Wunsche jeder Ge­meinde ist ein kleiner Glockenturm für ei­ne Feuerglocke vorgesehen. Die Rück­sichtnahme auf den Schornstein des Bachauses erforderte dessen Stellung auf ei­nem Giebelaufbau, der auch wesentlich zur architektonischen Gesamtwirkung bei­trägt, ohne den Bau wesentlich zu verteu­ern.

Nach einzelnen technischen Erläuterungen er­gibt sich ein Gesamtbauvolumen von 777,5 cbm umbautem Raum, der zu 10,- Mark angenommen wurde. Daraus ergab sich eine geschätzte Bausumme in Höhe von 7.775,- Mark. Doch zu dieser Preisangabe, die wohl nach Vorkriegsfriedenspreisen ermittelt war, wurde vermerkt: „Die heutigen Bau­kosten betragen selbst bei vereinfachten Ausführungen das 12-fache, sind somit zu 7.775,- x 12 = 93.300,- Mark anzunehmen."

An Ersparnissen für diese Baukosten wurden Ei­genleistungen angesehen, z.B. die Gestellung von Holz-, Hand- und Spanndienste, Erdarbei­ten und Erdabfuhr, alles zusammen in Höhe von rund 30.000,- Mark. Verschiedene Einsparmög­lichkeiten am Material und an der Bauausfüh­rung wurden vom Kreisbauamt jedoch nicht empfohlen.

 

Nachdem die erforderlichen Grundstücksangelegenheiten durch diversere Grundstückstausche und einem Hausabriss geklärt waren, wurde 1921 / 1922 der Neubau des für damalige Verhältnisse moderenen und für eine kleine Gemeinde vorbildlichen Gemeidehauses in Angriff genommen.

Hierzu passend ein Bericht aus der Hunsrücker Zeitung von den Einweihungsfeierlichkeiten:

Am vergangenen Sonntag durfte unser kleines Dörfchen ein selten schönes Fest beghen. Es galt der Einweihung unseres neuen Gemeinde­hauses. Mitten im Dorfe erhebt sich der statt­liche Bau, der mit seinen sozialen und hygieni­schen Einrichtungen mustergültig zu nennen ist. Neben dem Gemeindebackhaus enthält dersel­be Räume für einen Baderaum (Zellenraum und Brausebad), Spritzenhaus und Viehwaage. Im zweiten Stock ist die Dorfbibliothek mit Lese­zimmer untergebracht. Ein größeres Zimmer mit entsprechender Einrichtung dient den Sit­zungen der Gemeindevertretung. Den größten Raum nimmt der Saal ein, der zu Volksversamm­lungen dienen soll. Der große weite Raum war bis zum letzten Platz gefüllt. Bürgermeister Grün aus Rheinböllen schilderte in längerer Re­de den weiten sozialen Blick des Gemeindera­tes, der durch Extrahieb im Gemeindwald den Bau finanzierte. Pastor Eberhard führte in sei­ner eigenen Art Tiroler Lichtbilder vor. Eine klei­ne improvisierte Kapelle - Klavier mit mehreren Geigen besorgte den musikalischen Teil. Den Wein hatte die Gemeinde gespendet. So herr­schte bald fröhliche Stimmung in der Versamm­lung; alle freuten sich des sehr gelungenen Baus. Ein Tanz beschloß die Dorffeier. Man ging mit dem Bewusstsein nach Hause, ein schönes Fest gefeiert zu haben."


Im Januar 1945 brannte das Gebäude infolge eines Fliegerangriffs teilweise ab und konnte zunächst nur notdürftig instand gesetzt wer­den. Der Wiederaufbau und die Fertigstellung erfolgten 1952.

Auf die finanzielle Belastung für diese Bau­maßnahme wurde in späteren Haushaltsbe­richten immer wieder hingewiesen. Im alten Gemeindehaus war eine öffentliche Badeanstalt untergebracht, daneben das Backhaus, der Feuerwehrgeräteraum sowie ei­ne Viehwaage. Über dem Backofen waren zwei Wassertanks eingebaut, die beim Backen auf­geheizt wurden und dann wames Wasser für die Badeanstalt lieferten.Eine schon damals fortschrittliche Einrichtung, die heutigen Überlegungen in nicht nachsteht.

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Anfor­derungen an das Gemeindehaus geändert. Dies führte zu verschiedenen Nutzungsänderungen der Räumlichkeiten. Darüber hinaus wurde das Umfeld des Gemeindehauses in der Ortsmitte zeitgemäßen Anforderungen angepasst.

Der Backraum wurde 1961 zugunsten der Ge­frieranlage verkleinert. Der Raum wurde 1984 für die Jugend-Rotkreuz-Gruppe ausgebaut und wird seit 1994 als Jugendraum genutzt und von der Dorfjugend betreut.

Durch den Rückgang der Viehhaltung in der Ge­meinde und die Umstellung des Viehverkaufs auf Schlachtgewicht, verlor die Gemeindevieh­waage zunehmend ihre Bedeutung und wurde Anfang der 1990er Jahre außer Betrieb ge­nommen.

Im Bereich der früheren Badeanstalt wurde 1961 eine Gefrieranlage eingerichtet und im Februar in Betrieb genommen. Die Baukosten betrugen 24.340 DM. Durch die Anschaffung von Kühl­schränken und Gefriertruhen in den privaen Haushalten in den 1960er und 1970er Jahren ver­lor die Gemeinschaftsgefrieranlage ihre einstige Bedeutung. Am I.März 1985 beschloss der Ge­meinderat die Schließung der Anlage zum I.Juli 1985. Von 36 Kühlfächern waren nur noch neun belegt und somit ein kostendeckender Betrieb der Anlage nicht mehr möglich. Die Nutzungs­gebühr pro Fach lag 1985 bei 45,- DM.

Danach wurde der Raum von Tischtennisspie­lern genutzt. 1999 baute die Ortsgemeinde in diesem Bereich, unter Einbeziehung des Rau­mes der früheren Viehwaage, eine Mietwoh­nung ein. Im den Jahren 2013 / 2014 wurde die nicht mehr benötigte Wohnung aufgelöst und die Räumlichkiten zu einem modernen Fitnessraum umgebaut.

 Im ehemaligen Feuerwehrgeräteraum befinden sich seit 1975 die Toiletten.

Zur Steigerung der Attraktivität des Dorfmit­telpunktes wurden zwischen 1998 und 2004 mit hohem Kostenaufwand das Umfeld des Ge­meindehaus neu gestaltet und das Gemeinde­haus renoviert.

 

Im einzelnen wurden dabei folgenden Arbeiten durchgeführt:

1998-1999

Die nicht mehr genutzten Räume der Vieh­waage und der ehemaligen Gefrieranlage wurden in Eigenleistung zu einer Wohnung ausgebaut.

1999 - 2000

Das leer stehende und baufällige ehemalige Schulhaus wurde abgerissen. Zusammen mit der brachliegenden Fläche des ehemaligen Schulhofes und des bereits in den 1970er Jah­ren abgerissenen Schulsaales wurde ein Park­platz für das Gemeindehaus sowie ein auch als Parkplatz nutzbarer Festplatz angelegt.

Der fantasielos geteerte Vorplatz des Gemein­dehauses wurde neu angelegt. Das Gemeinde­haus erhielt im Erdgeschoss neue Türen und das Flachdach am Vorbau des Einganges ein schie­fergedecktes Satteldach.

2001 - 2002

Das Gemeindehaus wurde renoviert und dabei der Flur, die Beleuchtung, die Decken und die Fußböden hell und modern gestaltet. Die Toilet­ten wurden grundlegend saniert und das Ge­meindehaus mit einem neuen Außenputz ver­sehen.

2003

Als Abschluss der Außensanierung des Ge­meindehauses wurde das Schieferdach mit Naturschiefer in altdeutscher Deckung neu ein­gedeckt.

2002 - 2004

Zwischen 2002 und 2004 wurde mit viel Ei­genleistung auf der brachliegenden Fläche des ehemaligen Schulgartens und in direkter Anbindung an den Festplatz der neue Kinder­spielplatz angelegt.

In den sieben Jahren wurde somit der Dorf­mittelpunkt von Schnorbach attraktiv neu gestaltet, das Gemeindhaus zukunftsgerecht hergerichtet und mit dem Kinderspielplatz für die Kinder eine Spiel- und Begegnungsstätte geschaffen. Für die gesamte Maßnahme waren Kosten von 310.000 Euro veranschlagt. Durch Eigenleistung konnten die Kosten um 20% auf ca. 250.000 Euro gesenkt werden. Erfreulich war, dass alle Maßnahmen mit Zuschüssen aus der Dorferneuerung bzw. dem Investitionsstock mit durchschnittlich 30% bzw. 75.000 Euro geför­dert wurden. Die restlichen 175.000 Euro mussten von der Gemeinde aus der Rücklage finan­ziert werden.

 

Eingangsbereich des Gemeindehauses (1998) vor Beginn der Sanierungsarbeiten

 

Eingangsbereich Gemeindehaus Schnorbach 1998

 

Das Gemeindehaus Schnorbach nach der Renovierung 2001

Gemeindehaus Schnorbach nach der Renovierung 2004